Ich spiele schon länger mit dem Gedanken, endlich mal auf den Smartphone-Zug aufzuspringen — und zwar sowohl als Nutzer als auch als Entwickler. Das iPhone war und ist mir zu teuer, außerdem habe ich durch meinen iPod touch wenigstens ein Teil-iPhone-Erlebnis. Mit Interesse habe ich die Entwicklung des Android-Betriebssystems von Google und damit ausgerüsteter Handys verfolgt. Das Motorola Droid (bei uns Milestone) wäre für mich aufgrund der Ausstattung und der Tastatur das erste richtig interessante Handy aus der Kategorie — ich könnte sogar über das unschöne Design hinwegsehen. Allerdings hat Android ein ziemlich großes grundlegendes Problem: Applikationen können nicht auf SD-Karten gespeichert werden (wahrscheinlich um Raubkopien zu erschweren). Das hat zwei Konsequenzen: Erstens werden die Raubkopierer wie immer ein Schlupfloch finden, und zweitens kann man auf diesem brandneuen Handy nur 256MB an Applikationen installieren. Insgesamt. Zusammengerechnet.

Das bedeutet, dass es eine ganze Reihe von Applikationen auf Android nicht geben wird: graphisch anspruchsvolle Spiele zum Beispiel. Dafür braucht man Texturen, und Texturen brauchen Platz. Genauso sieht es mit allen Applikationen aus, die größere Datenmengen benötigen — etwa Navigationssoftware. Wem die Google-eigene Navigation nicht langt hat Pech gehabt. Einen Spielehit wie Tap Tap Revenge wird es auf Android (in absehbarer Zeit) nicht geben — die Musik beansprucht zu viel Speicherplatz.

Was gibt es noch für Alternativen? Das Palm Pre ist ganz nett, die Tastatur ist aber zu klein (ich habe es ausprobiert) und es gibt praktisch keine Applikationen dafür. Und sonst? Blackberry. Symbian-Smartphones. Windows Mobile-Geräte. Ich denke dazu muss ich nichts weiter sagen, diese Geräte sind der Grund, warum ich bisher noch kein Smartphone käuflich erworben habe. Nokia hat aber zum Glück inzwischen die Zeichen der Zeit erkannt: die aktuellen hochwertigen Handys sind kleine Computer, wo es nur noch nebensächlich um das Telefonieren geht. Nokias Antwort auf das iPhoneOS und Googles Android heißt Maemo und wird das Betriebssystem des neuen Nokia-Handys N900 werden. Es ist Linux-basiert und wird die mit Abstand offenste Handy-Plattform sein. Jailbreaking wie beim iPhone ist nicht nötig, die Möglichkeit der SuperUser/Administrator auf dem eigenen Handy zu werden wird direkt mitgeliefert. Das Handy ist toll ausgestattet, insbesondere Bildschirm und Kamera sind top. Die Auflösung liegt bei 800x480 Pixeln, das ist das 2,5fache der Pixelzahl beim iPhone. Das N900 ist allerdings auch etwas dicker und schwerer als die Konkurrenz aus dem Hause Apple.

Ich habe mich dafür entschieden, mal den Neuling von Nokia auszuprobieren und das Risiko einzugehen, auf eine neue Plattform zu setzen. Maemo gab es in früheren Inkarnationen zwar auch auf den Internet-Tablets N770, N800 und N810, da ist die Entwicklergemeinschaft aber sehr überschaubar. Das Entwicklerkit für das N900 habe ich schon installiert und erste Erfahrungen damit gemacht. Ursprünglich war mein Plan, mit Python und Qt eine kleine Applikation zu schreiben und so die Plattform kennenzulernen. Dann hat mich allerdings die Lust gepackt, mal wieder meine doch sehr angestaubten C++-Kenntnisse aufzufrischen und einfach mal etwas systemnäher zu programmieren. Wo würde das besser passen als für ein Gerät mit (vergleichsweise) geringem Speicher und der Pflicht, schonend mit den Resourcen umzugehen (=geringerer Batterieverbrauch).

Bis jetzt läuft alles erfreulich gut, ich versuche einen kleinen Twitter-Client zu schreiben und habe eine Menge Spaß dabei. Mal sehen ob ich das durchhalte oder ob mich Python mit seiner riesigen Standardbibliothek und seiner Schönheit wieder in den Bann zieht. :) In einem der nächsten Blog-Posts werde ich genauer auf die Entwicklung für Maemo eingehen. Zunächst muss aber ein Screenshot des N900-Simulators genügen, der innerhalb eines Linux-Gastsystems auf meinem Mac läuft:

N900-Simulator unter Linux

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